Fitnessprogramm für Bayerns Wälder
Initiative Zukunftswald am AELF Amberg

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Waldbesitzende erfreuen sich ein Leben lang an ihrem Wald, aber eigentlich pflegen sie ihn schon für die nächste Generation. Um klimatolerante Wälder zu etablieren und die Waldvielfalt für künftige Genrationen zu erhalten, wurde im Jahr 2015 die Initiative Zukunftswald Bayern ins Leben (IZW) gerufen. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg unterstützt dabei die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer mit einem speziellen Projekt.

Die Wälder im Amtsgebiet des AELF Amberg befinden sich zu 66 % in privater Hand. Somit kommt dem Privatwald entscheidende Bedeutung bezüglich der Schutzfunktionen hinsichtlich eines sauberen Trinkwassers, der Luftreinhaltung, dem Bodenschutz und der klimaregulierenden Wirkung in Stadt- und Landkreis Amberg-Sulzbach zu.

Da die in der Region vielerorts vorherrschenden Wälder aus Fichte und Kiefer in Zeiten des Klimawandels immer stärker in Bedrängnis geraten und bereits großflächige Ausfälle und Vitalitätseinbußen auftreten, wurde mit der "Initiative Zukunftswald Amberg" ein Projekt gestartet, um den notwendigen Waldumbau zu klimastabilen Wäldern für künftige Generationen verstärkt in das Interesse der Waldbesitzenden zu rücken.

Die Forstverwaltung steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite - ergreifen Sie die Initiative zum Waldumbau!

Das Projekt "Vorzeigebestände"

Viele Waldbesitzer in der Region können bereits erste Erfolge im Waldumbau vorweisen. Einige dieser Wälder werden im Rahmen des Projekts "Vorzeigebestände" interessierten Waldbesitzern zugänglich gemacht. Erfahren Sie mehr über Baumarten und die Wälder der Zukunft, von der Pflanzung über die forstliche Pflege bis hin zum wertvollen klimaangepassten Mischwald.

Kinder setzen einen kleinen Dachstuhl zusammen.
Hinweis: Webseite noch im Aufbau
Hier werden in den nächsten Wochen die Texte, Bilder und Anfahrtsbeschreibungen der ausgewählten Bestände Zug um Zug veröffentlicht. An den Waldorten selbst werden voraussichtlich im Sommer 2020 Texttafeln mit Kurzbeschreibungen und QR-Codes, die auf die ausführlicheren Inhalte dieser Seite verlinkt sind, aufgestellt. Desweiteren sind Podcasts zu den Themen der Vorzeigebestände geplant.
Wir halten Sie hier und in der örtlichen Presse auf dem Laufenden.

Beschreibungen der Beispielbestände

Bestand 1: Naturverjüngung der Weißtanne

Entstehungsgeschichte

Üppige Tannennaturverjüngung unter Alttannen im Schutz eines ZaunesZoombild vorhanden

Üppige Tannennaturverjüngung unter Alttannen im Schutz eines Zaunes (Foto: H.-C. Münnich)

Die Tanne als klimastabile Nadelbaumart mit besten Holzeigenschaften, ist in den Wäldern Amberg-Sulzbachs eine Seltenheit. Aus diesem Grund wurde von regionalen Förstern die Idee geboren, Alttannenbestände zu inventarisieren und deren natürliches Verjüngungspotential zu nutzen.
Im Rahmen dieses Projekts hat ein Waldbesitzer 2013 die 600 m² große Fläche um drei Alttannen gezäunt. Ziel war die natürliche Ansamung der Weißtanne ohne jeglichen Einfluss des Wildes. Bereits fünf Jahre nach der Zäunung konnte eine gut entwickelte Tannennaturverjüngung unter den alten Tannen bewundert werden. Neben rund 40 Jungtannen pro m² samten sich im Schutz des Zauns weitere Baumarten, wie z.B. Buchen und Bergahorne, an.
Die Kosten für den Zaunbau beliefen sich auf etwa ca. 5 €/lfm. Weitere 5 €/lfm sind für den Rückbau und die Entsorgung zu veranschlagen.

Wildlinge – ein Geschenk der Natur

TannensämlingZoombild vorhanden

Tannensämling (Foto: H. Eiber)

Die Tannenverjüngung, die sich im Schutz des Zauns zahlreich entwickelt hat, kann zur Gewinnung von sogenannten Wildlingen dienen. So bezeichnet der Förster ein- bis fünfjährige Bäumchen, die aus der dichten Naturverjüngung mit einer Grabgabel ausgehoben und anschließend an anderer Stelle wieder eingepflanzt werden. Tannenwildlinge sind bereits an die schattige Waldumgebung angepasst und die an den Wurzeln anhaftenden, nützlichen Pilzgeflechte werden mitverpflanzt. Sie eignen sich daher besonders für den Waldumbau unter dem lichten Schirm von klimainstabilen Baumarten wie Kiefern oder Fichten.
Da die Tanne vom Rehwild gerne verbissen wird und sich dieser Effekt mit der Seltenheit ihres Vorkommens noch verstärkt, müssen die ausgebrachten Wildlinge i.d.R. einzeln geschützt werden.
Die Verwendung von Wildlingen aus dem eigenen Wald wird vom Staat gefördert und es lassen sich gegenüber einer Pflanzung mit angekauften Baumschulpflanzen rund 50% der Kosten einsparen. Die natürliche Verjüngung des Waldes ist ein Geschenk - Waldbesitzer sollten es nutzen!

Weiserzaun und Wildverbiss

Ca. vierjährige, vitale JungtanneZoombild vorhanden

Ca. vierjährige, vitale Jungtanne (Foto: H. Eiber)

Der Einfluss der Rehe auf die Waldverjüngung ist an diesem Zaun gut zu erkennen. So kommen außerhalb des Zauns kaum mehr Sämlinge verbissempfindlicher Baumarten vor.
Die wenigen aufkommenden Tannen werden durch den teils jährlich wiederholten Verbiss des Wildes in ihrem Höhenwachstum gehemmt und von den Fichten überwachsen.
Der Forstmann spricht von einer weisenden Funktion des eingezäunten Waldbestands. Er zeigt, welche Baumarten sich auf natürliche Weise ohne den Einfluss durch das Wild einstellen und durchsetzen.

Wildverbiss erfassen und beurteilen

Anfahrtsbeschreibung

Von Amberg oder Sulzbach-Rosenberg auf der B 85 kommend, biegen Sie in Höhe der Discothek "Happy Rock" auf die Kreistrasse AS 35 Richtung Illschwang ab. Sobald Sie die Ortschaft Pürschläg erreichen, folgen Sie unserer Skizze (BayernAtlas) und erreichen den Vorzeigebestand im "Hirtangerholz". Stellen Sie bitte ihr Auto an dem in der Skizze mit P gekennzeichneten Platz vor dem Wald ab.

Lageplan - Bayernatlas Externer Link

Bestand 2: Erstaufforstung mit Fichte, Bergahorn und Buche

Entstehungsgeschichte

Bergahorn in WuchshülleZoombild vorhanden

Beispiel für die Pflanzung einer Bergahorngruppe mit Wuchshüllen (Foto: H.-C. Münnich)

Im Jahr 1994 wurde die 5000 m² große Wiese mit Fichte, Bergahorn und Rotbuche aufgeforstet. Die Fichten und Buchen stammten aus einer Forstbaumschule, die Ahorne wurden in einem Wald aus der üppigen Naturverjüngung als „Wildlinge gewonnen“. Sie wurden in zwei Gruppen zu a 30 x 25 m eingebracht, die restliche Fläche mit Fichte bepflanzt. Die Rotbuchen wurden zwischen die Ahorne gesetzt.

Die Erstaufforstung wurde nach den damals gültigen Bedingungen gefördert.
20-jährige AhorngruppeZoombild vorhanden

Bergahorngruppe 2013 (Foto: H. Eiber)

Seither hat sich der neue Wald aufgrund guter standörtlicher Eignung und maßvoller Pflege hervorragend entwickelt. Unter den rund 30 Jahre alten Bergahornen sind ausreichend viele Bäume mit sehr guter Stammform und hohem Zuwachs. 2019 wurde bereits ein Holzvorrat von rund 180 Erntefestmetern pro Hektar erreicht. Die Buchen erfüllen ihre dienende Funktion der Schaftpflege. Durch die Beschattung der unteren Kronenpartien der Ahorne sterben dort die Grünäste früh ab und an den schließlich 9 bis 12 m langen, astfreien Stämmen wächst wertvolles Holz zu.

Der Waldbesitzer ist mit dem Ahornbestand sehr zufrieden. Bei der Pflanzung war damals die gesamte Familie beteiligt: „Das war eine richtig gute Aktion!“
Die Fichten machen ihm hingegen eher Probleme, da immer wieder vom Wind gebrochene oder angeschobene Bäume entnommen werden müssen. Ferner waren bei einer ersten Pflege in der Fichte bereits etliche Stämme rotfaul. Fazit des Waldbesitzers: „Ich hätte gleich mehr auf Laubholz setzen sollen!“
Bergahornbloch auf einer SubmissionZoombild vorhanden

Bergahorn - 18000 € Erlös in Pretzfeld 2020 (Foto: J. Berendes)

Produktionsziel Wertholz
Für Bergahorn-Wertholz ab der 4. Stärkeklasse (Durchmesser 40 cm und mehr) werden derzeit auf Versteigerungen Preise von rund 300 €/fm, bei Spitzenstämmen auch 1.300 €/fm und mehr erzielt. Die Stämme sind umso wertiger, je stärker sie im Durchmesser sind. Dieses erstklassige Holz findet Verwendung als Furnier, z.B. in der Innenausstattung von Luxusautos, oder als Schreinerholz, z.B. für die klassische, hellweiße Tischplatte.

Die Bergahorngruppen erhöhen somit den Wert des Waldes und werden nach bisherigen Erkenntnissen im Klimawandel weit besser bestehen als die Fichte.

Das Produktionsziel Wertholz erfordert aktive Pflege

Bergahorn mit BuchennebenbestandZoombild vorhanden

Bergahorngruppe 2020 (Foto: H.-C. Münnich)

Im Abstand von mindestens 10 Metern werden vitale, geradschaftige, auf etwa 10 Meter Stammlänge astreine Bergahorne markiert und alle Bedränger, die dem Auslesebaum in die obere Krone einwachsen, entnommen. Die Auslese-Bergahorne sollen große Kronen ausbilden, um das rasche Dickenwachstum der Stämme zu fördern. Dazu soll der Kronenansatz auf gleicher Höhe bleiben. Sobald die Kronen wieder bedrängt werden, müssen sie erneut kräftig freigestellt werden. Die so alle 5 bis 8 Jahre nötigen Pflegehiebe (Durchforstungen) werden bis zum Erreichen des Zieldurchmessers der Auslesebäume von 60 cm und mehr fortgesetzt.
Die beigemischte Buche muss in dienender Funktion unter dem Bergahorn erhalten bleiben, um neben der beschriebenen Schaftpflege weitere ökologische, z. B. später Schutz vor Verunkrautung, aber auch ökonomische Aufgaben zu erfüllen.

In den Fichtenteilen soll durch regelmäßige Pflegeeingriffe die Stabilität der Fichten hergestellt und erhalten werden. Das Schnee- und Sturmbruchrisiko sinkt, wenn die „grünen Krone“ stets zwischen einem Drittel bis zur Hälfte der Baumhöhe beträgt. Der Holzzuwachs soll gleichzeitig auf die vitalsten und stabilsten Bäume gelenkt werden. Auch hier empfiehlt es sich deshalb alle 8 - 10 m den vitalsten Baum zu markieren (Z-Stamm) und über das Bestandsleben zu fördern.

Die wert- und stabilitätssteigernde Pflege wird im jungen Waldbestand gefördert.

Anfahrtsbeschreibung

Von Amberg oder Sulzbach-Rosenberg auf der B 85 kommend, biegen Sie in Höhe der Discothek "Happy Rock" auf die Kreistrasse AS 35 Richtung Illschwang ab. Sobald Sie die Ortschaft Pürschläg erreichen, folgen Sie unserer Skizze (BayernAtlas) und erreichen den Vorzeigebestand im "Hirtangerholz". Stellen Sie bitte ihr Auto an dem in der Skizze mit P gekennzeichneten Platz vor dem Wald ab.

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Bestand 3: Das Potential der Buche im Jura

Entstehungsgeschichte

Buchenwald, davor eine WieseZoombild vorhanden

Der 100-jährige Buchenwald (Foto: H.-C. Münnich)

Der circa 100-jährige Buchenwald entstammt der Zeit um den ersten Weltkrieg. Leider existieren aber aus dieser Zeit keinerlei Aufzeichnungen, folgendes Szenario ist allerdings zu vermuten:
Die Bucheckern keimten zunächst unter einem geschlossenen und somit dunklen, alten Mischwald. Die schattentoleranten jungen Buchen überwuchsen dann die spärlicher angekommene Verjüngung der lichtbedürftigeren Baumarten wie Fichte und Kiefer. Dazu trugen auch die seinerzeit niedrigen Wildbestände bei. Es herrschten Notzeiten und Wild war vor allem eines: ein willkommener Fleischlieferant.
Nachdem sich die Buchennaturverjüngung auf diese Weise flächig etabliert hatte, wurde der Vorbestand in einem Zug geerntet. Nach diesem Kahlschlag wuchs der bis heute einförmige und gleichaltrige Buchenbestand heran.
Buchenwald mit NaturverjüngungZoombild vorhanden

Frisch belaubt im Mai 2020 (Foto: H.-C. Münnich)

Da seit seiner Entstehung und auch zuletzt über Jahrzehnte kaum Holz gemacht wurde, kann an diesem Waldbestand die natürliche Entwicklung sehr gut beobachtet werden.
Besonders beeindruckend ist die Überlegenheit der Buche - selbst gegenüber der Fichte. Mitherrschende Fichten finden sich nur vereinzelt. Die Buche ist auf diesem Standort in ihrem Optimum.
Eine weitere Besonderheit sind die vielen (Tief-) Zwiesel, steilastigen Bäume und Grobformen. Der Wald hat zu keiner Zeit die lenkende forstliche Hand „gespürt“. Mit gezielten Durchforstungen hätte man den Zuwachs auf die vitalen, geradschaftigen Bäume lenken können und es wären kaum mehr Grobformen, die vor allem Brennholz liefern, vorhanden.

Ausblick

Buchenstämme vor einem JurafelsriffZoombild vorhanden

Genug langschaftige, aber noch zu schwache Auslesebäume (Foto: H.-C. Münnich)

Da die Buche auch im hohen Alter ihre Krone ausbauen kann, ist noch eine Zuwachslenkung auf die qualitativ besten Stämme möglich. Dazu werden im Abstand von rund 13 m relativ großkronige Buchen mit geraden, astfreien Schäften ausgewählt. Das Augenmerk liegt dabei allein auf den ersten 8 bis10 Metern, dem Erdstamm. Diese 50 - 60 Zukunftsbäume je Hektar werden von ihren jeweils zwei stärksten Bedrängern der Krone freigestellt.
Die restliche Fläche bleibt weitgehend unbehandelt, um das Waldinnenklima und die Bodenfeuchte auf dem teils mäßig trockenen Standort zu erhalten. Allenfalls hiebsreife Fichten und kleinkronige Kiefern werden hier geerntet.
Diese sogenannte Lichtwuchsdurchforstung wird wiederholt, sobald der Kronenschluss wiederhergestellt ist.
Buchenstamm mit FurnierqualitätZoombild vorhanden

Buchenstamm mit Furnierqualität (Foto: Dr. Matthias Jantsch)

Vorrangiges Ziel ist es, die Zukunftsbäume in den nächsten drei bis vier Jahrzehnten zu dimensionieren. Erreichen sie in Brusthöhe Durchmesser von 65 cm und mehr, können ihre Erdstämme als Buchenwertholz (Längen ab 3 bis etwa 8 m) zu guten Preisen vermarktet werden.

Alle Buchen, die Höhlen oder Spaltenquartiere für z.B. Fledermäuse und Vögel aufweisen, werden als Biotopbäume erhalten. Hierfür kann der Waldbesitzer Förderung beantragen.
Das Vertragsnaturschutzprogramm Wald (VNP)
Dieses Förderprogramm des Freistaats Bayern soll dazu dienen, naturschutzfachlich bedeutsame und gefährdete Waldlebensräume und an diese Lebensräume gebundene Arten langfristig zu erhalten. Ferner sind die Entwicklung des Biotopverbundes Bayern (BayernNetzNatur) und der Aufbau des europäischen ökologischen Netzes (Natura 2000) von besonderem Interesse.
Die förderfähigen Maßnahmen reichen vom Erhalt von Biotopbäumen (Bäume mit Höhlen, Horsten und Spalten etc.) und Totholz bis hin zur Fortsetzung oder Wiedereinführung von naturschutzspezifischen Bewirtschaftungsformen.

Nähere Informationen erhalten Sie von unserem Beratungsförster.

Anfahrtsbeschreibung

Von Amberg kommend nehmen Sie die Bundesstraße B 299 in Richtung Ursensollen/A6. Der Ortsdurchfahrt B 299 durch Ursensollen folgend biegen Sie ca. 500 m nach dem Ortsende nach rechts in Richtung Augsberg ab. Nach 100 m liegt der Bestand direkt gegenüber der Beschilderung „Die Hohe Straße“, links neben der Straße nach Littenschwang (bitte das Auto an dem mit P gekennzeichneten Punkt auf der Skizze im asphaltierten Bereich der Feldeinfahrt parken).

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Bestand 4: Eichensaat im Kiefernwald

Entstehungsgeschichte

Eichendickung unter AltkiefernZoombild vorhanden

Eichendickung unter Altkiefern (Foto: H.-C. Münnich)

Der Förster des Waldguts Richtberg entschied sich 1993 auf der 0,9 ha großen Fläche einen Waldumbau vorzunehmen. Auf den Vorbestand aus Kiefer mit etwas Fichte sollte ein Eichenwald folgen. Die Eiche besitzt eine hohe Wurzelenergie und kommt deshalb auf den hier vorherrschenden Böden mit tonigen Verdichtungen im Untergrund und mit gelegentlichem Stauwasser in den tieferen Bodenschichten gut zurecht. Auch wirkt ihre Laubstreu der vorhandenen Versauerung des Oberbodens entgegen.
Der Bestand wurde zuerst stark aufgelichtet, da die Eiche schon in der Jugend einen hohen Lichtgenuss benötigt. Dabei beließ man einen Restbestand an sturmstabilen, vitalen und wertholzhaltigen Altkiefern, die als „Überhälter“ die aufwachsenden Eichen vor Spätfrösten schützen und gleichzeitig weiter zuwachsen sollten.
Ein Eichelhäher mit einer Eichel im SchneeZoombild vorhanden

Saat nach dem Muster Eichelhäher (Foto: N. Wimmer)

Die Eicheln wurden anschließend von Kulturfrauen mit dem „Saatstock Eichelhäher“ eingesät. Mit Hilfe dieses Verfahrens wurde zum einen ein sehr guter Keim- und Anwuchserfolg erreicht, zum anderen benötigte man mit drei Zentnern Eicheln knapp die Hälfte der Saatgutmenge für eine Freisaat. Diese recht geringe Menge konnte zuvor in einem geeigneten, eigenen Eichenbestand gesammelt werden. Erwähnung verdient auch, dass aufgrund angepasster Wildbestände die Fläche nicht gezäunt werden musste.

LWF-Merkblatt 37: Freisaaten im Wald Externer Link

Bei etwa 2-3 m und erneut bei 5-6 m Höhe wurde der Jungwuchs gepflegt. Das Pflegeziel war allein die Sicherung der Eiche vor den übrigen, natürlich angeflogenen Baumarten, v.a. „Weichlaubhölzern“ wie Weide, Birke, Aspe oder Vogelbeere (siehe Absatz „Füll- und Treibholz“).
Da die Eiche mit zunehmendem Alter immer lichtbedürftiger wird, wurden immer wieder Kiefernüberhälter entnommen. Dazu wurde im jungen Eichenbestand eine Rückegasse angelegt.
Der Waldbesitzer hat nach heutigen Erkenntnissen alles richtig gemacht. Die Vorbestandsbaumarten Kiefer und Fichte sollen im Klimawandel auf diesem Standort nur noch in geringen Anteilen beteiligt werden, die Eiche und Birke dagegen gelten hier als bestandsbildende Baumarten zukunftsfähig.

Ausblick

Der junge Eichenbestand hat sich qualitativ gut entwickelt und weist bereits eine astfreie Schaftlänge von fünf bis sechs Metern bei einer Bestandshöhe von rd. 12 m auf. In der Endphase der „Dickung“ soll noch eine mäßige Kronenspannung zur weiteren Astreinigung erhalten werden. Zur Beurteilung, ob aktuell eine Pflege notwendig ist, sollten in guter Verteilung 100 – 150 Eichen und geeignete Mischbaumarten pro Hektar als sogenannte Optionen ausgewählt, mit einem Farbband markiert und begutachtet werden. Es wird nur eingegriffen, wenn diese qualitativ guten Optionsbäume drohen überwachsen und ausgedunkelt zu werden.

LWF-Merkblatt 29: Jungbestandspflege Externer Link

Ist das Ziel von sieben bis acht Metern astfreier Schaftlänge erreicht, ist der Übergang zur Auslesedurchforstung geboten. Im Abstand von rund 10 m werden nun vitale, qualitativ gute, stabile Eichen und, wo nicht vorhanden, auch Birken ausgewählt und von zwei bis drei stärksten Bedrängern in der Krone freigestellt. Auf die Auswahl und Förderung von Lärchen und Fichten sollte möglichst verzichtet werden, da sie auf diesem Standort unter dem Klimawandel leiden.
Die verbliebenen Kiefernüberhälter werden Zug um Zug in den nächsten 10 – 20 Jahren geerntet. Danach ist geplant unter dem Schirm der Eichen einen Nebenbestand aus schattenverträglichen Baumarten wie Buche, Hainbuche oder Linde zur Schaftpflege der Eiche durch Pflanzung einzubringen.
In rund 40 Jahren kann in diesem klimatoleranten Eichen-Birkenwald bereits das erste Birkenwertholz genutzt werden.
Kronen junger Eichen, Aspen und BirkenZoombild vorhanden

Zwei gut veranlagte Eichen inmitten von Füll- und Treibholz (Foto: H.-C. Münnich)

Füll- und Treibholz
Die natürlich angeflogenen Baumarten (Nadel- und Weichlaubhölzer) haben als Füll- und Treibholz eine wichtige Funktion. Besonders ist dies in Verjüngungen der Fall, in denen die Ziel-Baumarten wie hier die Eiche zwar flächig, aber in relativ geringer Stammzahl vorhanden sind. Es verhilft der Eiche dazu nach oben und nicht in die Breite zu wachsen, indem es auf die Eiche Seiten- und später auch Schirmdruck ausübt. Gleichzeitig fördert es deren natürliche Astreinigung (Absterben der unteren Kronenäste). Deswegen ist das Füll- und Treibholz unbedingt zu erhalten, und es muss nur eingegriffen werden, wo es junge Eichen bereits oder wegen seines raschen Höhenwachstums in den nächsten Jahren bedrängt. Die Pflege kann auch durch Köpfen oder Ringeln der Bedränger erfolgen, will man deren dienende Funktion und die Stabilität der Eichen nicht gefährden.

Anfahrtsbeschreibung

Von Amberg kommend fahren Sie auf der Vilstalstraße (St 2165) in Richtung Schmidmühlen/A6 und biegen beim Autobahnanschluss rechts nach Theuern ab. Im Ort überqueren Sie die Vilsbrücke. Am Kulturschloss vorbei gelangen Sie über die Steinhauserstraße zum Sportgelände des TSV Theuern. Ab hier folgen Sie zu Fuß unserer Skizze (BayernAtlas) und erreichen den Vorzeigebestand im „Lehmberg“. Stellen Sie bitte ihr Auto an dem in der Skizze mit P gekennzeichneten Platz vor dem Wald ab (Rettungstreffpunkt AS-2177).

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Bestand 5: Der Lindenmischwald Haag – ein seltenes Kleinod

Entstehungsgeschichte

WinterlindenblätterZoombild vorhanden

Frisches Grün der Winterlinde (Foto: H.-C. Münnich)

In unserer von Kiefern und Fichten dominierten Heimat stellt der etwa 70-jährige Lindenmischwald nordwestlich von Haag eine absolute Besonderheit dar. Durchstreift man den äußerlich als reinen Kiefernwald anmutenden Bestand, finden sich zahlreich Baumarten wie Kirsche, Eiche, Spitzahorn, Birke, Buche und Winterlinde. Insbesondere die Linde, bekannt meist nur als „dienende Baumart“ in der Unterschicht des Waldes, bestimmt hier das Waldbild entscheidend mit und erreicht dabei bemerkenswerte Qualitäten und Dimensionen.

Ein denkbares Szenario für die Entstehung ist, dass sich die Linden in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg bereits unter einem lichten Altholzschirm ansamten und in der Jugend schattentolerant gut heranwuchsen, während sich die lichtbedürftigeren Birken, Eichen und Kirschen auf den lichteren Stellen im Wald behaupteten bzw. nach einer schnellen Nutzung des Vorbestandes zusammen mit der Kiefer, die möglicherweise gepflanzt wurde, einstellten.
Winterlinde stehend im Wald

Astreiner Lindenstamm (Foto: H. Riedl)

Die einzeln eingemischten Laubhölzer entstammen sehr wahrscheinlich der natürlichen Verjüngung. Die Samen von Linde, Spitzahorn, Birke und Hainbuche werden dabei durch den Wind vertragen, die Verbreitung der schwerfrüchtigeren Eiche, Buche und Kirsche hingegen wird durch Tiere wie Eichelhäher oder Eichhörnchen unterstützt. Ein eindrückliches Beispiel für die Regenerationskraft des Waldes! Da früher Schutzvorrichtungen im bäuerlichen Wald nicht üblich waren, haben vermutlich zeitweise niedrige Rehwildbestände das Aufkommen der Mischbaumarten ermöglicht. In den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren wurde intensiv gejagt, was zur Reduktion der Wildbestände und damit des Verbisses führte und den Aufwuchs vieler, auch seltenerer Mischbaumarten ermöglichte.
Heute käme die beschriebene Verjüngung des Bestandes ohne Zaunschutz nicht zustande. Starker Wildverbiss verhindert den Aufwuchs der Sämlinge, dornenbewehrte oder vom Wild verschmähte Straucharten wie Schlehen und Rote Heckenkirschen setzen sich dort durch, wo bereits mehr Licht auf den Boden fällt. Es besteht die Gefahr, dass der Bestand zunehmend verwildert.
Der Förster spricht im Wald zu mehreren Personen.Zoombild vorhanden

Förster Michael Bartl (re.) erläutert das Zulassungsverfahren. (Foto: H. Riedl)

Viele ausgesprochen gute, astfreie Stämme der Linden und deren mittlere Höhe von rund 25 m, legen die Vermutung nahe, dass sie in ihrer Jugend durch den Seitendruck anderer gleichaltriger Bäume so ausgeformt wurden. Unabdingbare Voraussetzung hierfür war aber eine gute genetische Veranlagung. Die guten Erbanlagen machen heute den Wert und die Einzigartigkeit des Lindenbestandes aus. Er wurde 2016 auf Initiative unseres Beratungsförsters und mit Zustimmung des Waldbesitzers als Saatgutbestand nach dem Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) anerkannt. Die Winterlinden dürfen seitdem zur gewerblichen Gewinnung wertvollen Lindensaatguts, das der Anzucht von Forstpflanzen dient, beerntet werden.

Eine Besonderheit des Bestands sind die zahlreichen Höhlenbäume heimischer Spechtarten, die auch einer Vielzahl anderer Tierarten als Behausung dienen.

Ausblick

Unbelaubte Krone einer LindeZoombild vorhanden

Eingeengte Lindenkronen (Foto: H.-C. Münnich)

Der Wald wurde in den letzten Jahrzehnten nicht gezielt forstlich genutzt, allein abgestorbene oder umgestürzte Bäume wurden zu Brennholz aufgearbeitet. Der Bestand ist auf ganzer Fläche durch eingeschränkt vitale, da zu dicht stehende, kleinkronige Kiefern charakterisiert. Viele Kiefern haben weit überhängende nach Licht gierende, z.T. peitschende Kronen ausgeformt. Um den Wald aufzuwerten, haben Waldbesitzer und Beratungsförster folgendes Konzept zum künftigen Vorgehen erarbeitet:

Sobald auf dem Holzmarkt wieder auskömmliche Preise erzielbar sind, wird mit dem ersten Eingriff eine Feinerschließung mit Rückegassen im Abstand von 30 m eingelegt. Im selben Zug werden auf der so eingeteilten Fläche die bestgeformten Linden markiert und von den 2-3 stärksten Bedrängern in der Krone und auch peitschenden Kiefern freigestellt. Nah aufeinander stehende Linden können dabei auch gemeinsam gefördert werden. Erstes Ziel ist der Kronenausbau und die Dimensionierung aller beerntungswürdigen Linden (Kronenpflege der Samenbäume zum Erhalt der Erntezulassung).
Zwei Spechtlöcher in einer LindeZoombild vorhanden

Höhlenbäume sind geschützt. (Foto: H.-C. Münnich)

In den Zwischenfeldern ist zunächst nur die Entnahme einzelner hängender oder abgängiger Kiefern veranlasst. Eine stärkere Auflichtung kann die träge Kiefer nicht zum Kronenausbau nutzen und trägt zur weiteren Verwilderung bei. Die stärkeren, i.d.R. grobformigen Birken, Kirschen, Eichen und Ahorne sind als Biotopbäume oder nach Absterben als Totholz zu erhalten. Eventuell ist hierfür eine Förderung möglich!

Der nächste Eingriff im Abstand von 5-8 Jahren sollte dann zur vollständigen Umlichtung der Samenbäume führen und eine vorsichtige Kronenpflege vitalerer Kiefern, die im Abstand von 8 -10 m zueinander oder zu Linden ausgewählt werden, beinhalten. Auf diese Weise kann der Bestand stabilisiert in seiner wirtschaftlichen und naturschutzfachlichen Wertigkeit gestärkt und auf eine längere Verjüngungsphase in 20-30 Jahren vorbereitet werden.
„Mein Wald – die Mischung macht´s“
In Zeiten des Klimawandels in denen ganze Fichten- und Kiefernwälder Hitze, Stürmen und Borkenkäfern zum Opfer fallen, liegen die Vorteile von Mischwäldern klar auf der Hand. Die in diesem Wald vorkommenden Baumarten wie Linden, Eichen, Kirschen, Spitzahorne und Birken kommen mit den steigenden Temperaturen und den geringeren Niederschlägen deutlich besser als Fichten und Kiefern zurecht. Reich strukturierte Mischwälder sind außerdem deutlich stabiler bei Schadereignissen wie Sturm, Insektenfrass oder Pilzbefall als einschichtige, dicht gedrängte Nadelholz-Monokulturen. Sollte dennoch wider Erwarten eine der Baumarten ausfallen, kann die entstandene Lücke jederzeit von einer anderen vorhandenen Baumart geschlossen werden. Damit fallen vielleicht einzelne Bäume den Folgen des Klimawandels zum Opfer, aber niemals der ganze Wald! Mischwald wirkt ferner einer Versauerung unserer wertvollen Waldböden entgegen und beherbergt eine Vielzahl unterschiedlichster Pflanzen- und Tierarten, die teilweise nur an einer bestimmten Baumart vorkommen. Mischwald ist aber auch aus wirtschaftlichen Gründen absolut sinnvoll: Ein Mischwald verfügt mit den verschiedensten Holzarten und Dimensionen über ein breites Holzangebot - nicht mehr Stürme und Käfer bestimmen die Holznutzung, sondern der Waldbesitzer kann gezielt diejenigen Sortimente einschlagen, die auf dem stets wechselnden Holzmarkt gerade gefragt sind.
Nicht nur in der Finanzwelt gilt: „ Wer streut, der rutscht nicht!“ Wer heute nachhaltige Forstwirtschaft betreiben will - der setzt auf Mischwald!

Anfahrtsbeschreibung

Von Amberg kommend nehmen Sie vom Kaiser-Wilhelm-Ring aus für rund 3,5 km die Kreisstraße AM/AS 2 (Wingershofer Straße) in Richtung Köfering. In Köfering biegen Sie rechts in die Haager Straße (AS 27) ein und folgen dieser für weitere rund 3 km. In Haag biegen Sie rechts auf die Gailoher Straße ab um schon bei der nächsten Straße auf Höhe der Hausnummer 3 links abzubiegen. Dieser Straße folgen Sie weitere 200 m bis zum ersten Feldweg links. Ab hier folgen Sie zu Fuß unserer Skizze (BayernAtlas). Stellen Sie bitte ihr Auto an dem in der Skizze mit P gekennzeichneten Platz ab – landwirtschaftlicher Verkehr muss passieren können – ggf. parken Sie bereits in Haag.

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Bestand 6: Der Eichenwald "Höfling" – das Vermächtnis forstlicher Vordenker

Entstehungsgeschichte

In der Nähe der Stadt Sulzbach-Rosenberg befindet sich im Spitalholz ein ganz besonderer Waldbestand – der Eichenwald „Höfling“. Der rund 160 jährige Wald gehört der städtischen Bürgerspitalstiftung Sulzbach-Rosenberg und wurde seit jeher durch bayerische Forstbeamte betreut. Er ist das Vermächtnis königlich bayerischer Forstleute, und steht wie kaum ein anderer Wald im Amberg-Sulzbacher Land für die traditionell nachhaltige und weitsichtige bayerische Forstwirtschaft. Die Waldabteilung Höfling beherbergt auf zwei Teilflächen bis zu 40 Meter hohe Eichen stattlicher Dimensionen, deren bis zu 17 Meter astfreie Stämme von der lenkenden Hand mehrerer Förstergenerationen künden.

Der Stieleichenbestand hat einer Vielzahl von „Jahrhundertstürmen“ - erinnert sei nur an die Orkane Vivian und Kyrill – getrotzt und Schäden durch Pilze, Insekten oder Trockenperioden weitgehend abgewehrt oder ausgeheilt. Der Blick in die Vergangenheit untermauert die positive Prognose, die unsere Forstwissenschaftler den heimischen Eichenarten für die Zukunft im Klimawandel geben. Den gegenüber Trockenheit und Wärme relativ toleranten Eichen wird beim Waldumbau in der Oberpfalz eine wichtige Rolle zugewiesen.
Eichenbestand mit stehendem TotholzZoombild vorhanden

Eichenbestand mit stehendem Totholz (Foto: H.-C. Münnich)

Nach mündlicher Überlieferung örtlicher Forstbeamter wurden Eichenbestände wie dieser ursprünglich auf Erlass König Ludwig I. von Bayern, dem Begründer der ehemaligen Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen begründet, um die Versorgungslage an Schwellen für den Eisenbahnbau sicherzustellen. Begründet wurde dieser Bestand allerdings zu Zeiten der Regentschaft seines Thronfolgers Maximilian II. um 1860. Bereits um 1910 wird der Bestand als 1,5 ha großer, ca. 50 jähriger, „wüchsiger und geschlossener“ Eichenforst beschrieben. Bekannt ist außerdem, dass zwischen 1919 und 1938 die Eichen, zur Pflege der geradschaftigen und astreinen Stämme, erneut mit Buchen unterpflanzt wurden (Unterbau). Die im Zuge dieser „Eichenüberführung“ eingebrachte Bestandsschicht prägt das heutige Bestandsbild entscheidend mit.

Der forstlich geschulte Blick erfreut sich im „Höfling“ nicht nur an der Qualität seiner Eichen und der dafür verantwortlich zeichnenden „dienenden“ Buchen, sondern auch an der Vielzahl der Höhlen- und Biotopbäume, sowie liegendem und stehendem Totholz als Lebensstätte unzähliger Tier- und Pflanzenarten. Für den Erhalt dieser naturschutzfachlich wertvollen Strukturen erhält die Bürgerspitalstiftung im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms Wald (VNP) eine finanzielle Förderung.

Seit 1986 ist der „Höfling“ wegen seiner qualitativ hervorragend veranlagten Stieleichen zur Saatguternte gemäß Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) zugelassen. Seitdem dürfen die Eicheln der Stieleichen gesammelt und an Waldbesitzer oder Forstbaumschulen zur Nachzucht abgegeben werden. Die letzte Ernte fand im Herbst 2018 statt und ergab eine Saatgutmenge von rund 575 kg, ausreichend für ein bis zwei Hektar Freisaat.

Ausblick

EichenkroneZoombild vorhanden

Eichenkrone (Foto: H.-C. Münnich)

Der Bestand hat sich bis zum heutigen Tage sehr gut entwickelt. Die nächsten 30 bis 40 Jahre sollen die Eichen bis zu Ihrer Zielstärke von 70 cm Brusthöhendurchmesser und mehr weiter ausreifen. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf rund 50 Werteichen pro Hektar, die in guter Verteilung große, gesunde, grüne Kronen behalten sollen. Es muss verhindert werden, dass Nachbareichen die Kronen der Werteichen berühren oder Buchen in deren Krone einwachsen (durchstechen). Damit die Kronen der Werteichen nicht leiden und Starkäste absterben, müssen sie circa alle fünf Jahre begutachtet werden und die ggf. bedrängenden Bäume eingeschlagen werden. Die relativ kurze Wiederkehr ist erforderlich, da die Eiche bei eingeengten Kronen, aber auch bei zu starker plötzlicher Lichtgabe Wasserreiser bildet, d.h. neue Äste am Stamm unterhalb der Krone ausbildet, die das Holz entwerten. Die Buchen müssen unbedingt in ihrer dienenden Funktion erhalten werden und weiterhin für eine Beschattung der Eichenstämme sorgen.
Üppige EichenverjüngungZoombild vorhanden

Üppige Eichenverjüngung (Foto: Klaus Schreiber)


Im Alter von rund 190 bis 200 Jahren werden schließlich die hiebsreifen Eichen sukzessive geerntet, bevor aus natürlichen Gründen vermehrt Absterbeprozesse und Holzentwertung einsetzen. Das so gewonnene Eichenholz erzielt derzeit im Schnitt Erlöse von rund 300 bis 500 €/fm, Spitzenstämme auf Wertholzsubmissionen auch weit über 1.000 €/fm. In dieser Verjüngungsphase werden neben den Eichen auch die den Boden stark beschattenden Buchen eingeschlagen, auf dass sich ein junger, neuer Eichenwald ansamen kann und der Kreislauf von neuem beginnt!

Saatguterntebestand – was ist das?

Früchte der TraubeneicheZoombild vorhanden

Früchte der Traubeneiche (Foto: Dr. Matthias Jantsch)

Waldbestände einer Baumart, die aufgrund ihrer guten, äußeren Erscheinungsmerkmale (z.B. Geradschaftigkeit, Wuchsleistung, Gesundheit, kein Drehwuchs, feinastig) für die Nachzucht geeignet erscheinen, können zur Beerntung zugelassen werden. Forstliches Vermehrungsgut darf nur aus solch zugelassenen Beständen in Verkehr gebracht werden. Grundlagen hierfür bilden das Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) und die einschlägige Zulassungsverordnung. Ziel des FoVG ist die Schaffung gesunder, stabiler und leistungsfähiger Wälder. Dabei spielt die Herkunft des betreffenden Saatgutes die entscheidende Rolle, da die Anpassung an bestimmte Standorte, als auch die qualitative Entwicklung der jungen Bäumchen maßgeblich von der Abstammung des Saatgutes abhängen, d.h. anders ausgedrückt dass beispielsweise eine Buche aus dem Jura mit der kurzen Vegetationszeit und dem Schneereichtum in den Bergmischwäldern des Bayerischen Waldes kaum gut zurechtkommen wird.
Besitzer von gut veranlagten Waldbestanden mit einer ausreichenden Zahl beerntbarer Bäume können diese auf ihre Eignung zur Saatguternte prüfen und eintragen lassen und leisten damit einen wichtigen Beitrag für die genetische Vielfalt unserer Wälder! Und das lohnt sich: Die Vermarktung des Eichen-Saatguts ist bei einem Preis von derzeit ein bis acht Euro je Kilo eine wiederkehrende Einnahmequelle.
Raupen des Eichenprozessionsspinners (Foto: Christoph Josten, ZWFH)
VORSICHT – Eichenprozessionsspinner!!!
Wie mittlerweile fast flächendeckend in Bayern werden auch die Eichen des „Höflings“ seit einigen Jahren vom Eichenprozessionsspinner heimgesucht. Dabei stellen die Raupen des Nachtfalters weniger für die Eiche selbst, die sich nach einmaligem Kahlfraß gut regenerieren kann, als vielmehr für den Menschen eine ernstzunehmende Gefahr dar. Ihre nur 0,2 mm langen giftigen Brennhaare lösen Reizungen der Haut und der Schleimhäute bis hin zu allergischen Schocks aus! Dabei ist nicht nur der direkte Kontakt mit der Raupe, sondern auch das Berühren oder Einatmen der nach der Verpuppung verbliebenen Brennhaare aus den Häutungsnestern gefährlich. Diese verbleiben oft über Jahre am Baum und das Toxin der Brennhaare ist über mehrere Jahre aktiv. Fallen die Gespinste herab oder werden durch Baumfällungen verteilt, reichern sich die Brennhaare auch im Unterholz und Bodenbewuchs an.

Raupen des Eichenprozessionsspinners (Foto: Christoph Josten, ZWFH)

Deshalb gilt hier vor Ort:

  • Betreten Sie die Eichenbestände nicht- die Brennhaare befinden sich auch in der Laubstreu am Boden!
  • Raupen und Gespinstnester nicht berühren!
  • Bei Kontakt Kleidung wechseln, duschen und Haare waschen!
  • Bei starken allergischen Reaktionen sollte ein Arzt aufgesucht werden!
  • Auch Tiere sind gefährdet. Nehmen Sie ihren Hund an die Leine!
Das Betreten der alten Bestände birgt auch in besonderem Maße waldtypische, natürliche Gefahren wie das Herabfallen von morschen Ästen oder Umstürzen von Bäumen nicht nur bei Sturm oder Gewitter!

Anfahrtsbeschreibung

Sie verlassen Sulzbach-Rosenberg auf der B 14 in Richtung Hahnbach. Nach rund 700m biegen Sie rechts nach Gallmünz ab und nach weiteren 350m links in die Konrad-Adenauer-Straße. Spätestens auf Höhe des Bolzplatzes parken Sie ihr Auto auf einem der ausgewiesenen Parkplätze. Nun folgen Sie zu Fuß einem der in den Wald führenden Pfade und stoßen nach rund 200m auf die Forststraße, die zu unserem Bestand führt (siehe Skizze im BayernAtlas).

Lageplan - Bayernatlas Externer Link

Projektmanager

Hans-Christoph Münnich
AELF Amberg
Maxallee 1
92224 Amberg
Telefon: 09621 6024-2023
Fax: 09621 6024-2016
E-Mail: poststelle@aelf-am.bayern.de

Die Initiative Zukunftswald in Bayern

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Die Initiative Zukunftswald in Bayern will Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer dabei unterstützen, die eigenen Wälder klimafit zu machen. Dazu hat das Staatsministerium einige Projekte auf den Weg gebracht.  

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