Veranstaltungsnachlese
Holzrücken mit dem Pferd

Vorliefern mit dem Pferdegespann

Vorliefern zweispännig

Pferdestarke Holzbringung als schonende Alternative im Wald

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bot zusammen mit der Waldbesitzervereinigung Illschwang-Birgland eine Informationsveranstaltung zum Thema zeitgemäße Pferderückung an. Forstoberrat Franz Eichenseer konnte fast 70 Interessierte – davon etwa die Hälfte Waldbesitzer – begrüßen.
Herr Eichenseer schilderte die Geschichte des Pferdeeinsatzes im Wald:
Bis zum zweiten Weltkrieg waren Pferdearbeiten unentbehrlich, danach haben Forstmaschinen viele Aufgaben ersetzt, die Stürme Vivian und Wiebke im Jahr 1990 haben weiter die moderne Holzerntetechnik durch schnelle und sichere Aufarbeitung der großen Sturmholzmengen vorangebracht.
Das Pferd im Wald hat heute dennoch seine Berechtigung, da es sehr schonend arbeitet und somit die Natur für nachfolgende Generationen erhalten kann.

Vor allem das Vorliefern mit dem Pferd ist sinnvoll

Forstanwärterin Veronika KopfingerZoombild vorhanden

Forstanwärterin Veronika Kopfinger informiert zur Pferderückung

Nach der Einführung ins Thema übernahm Veronika Kopfinger die Leitung der Veranstaltung. Die junge Försterin absolviert gerade das Anwärterjahr zum Staatsdienst und hat in diesem Zuge das Projekt „Pferderückung“ bearbeitet.

„Wegen häufiger auftretenden warmen und nassen Wintern wird in Zukunft eine schonende Befahrung mit schweren Forstmaschinen schwieriger – Pferde können helfen, den Wald weiterhin ordentlich zu bewirtschaften“, erläuterte die Försterin.
Sie listete auf, welche Forstunternehmer Pferderückung anbieten, dazu zählen mindestens vier Pferderücker im Landkreis Amberg und fünf weitere in der Oberpfalz.

Wie das Ganze in der Praxis aussehen kann, demonstrierten die Pferderücker Ruppert Angela und Peter Wenisch aus Schwenderöd

Gespannt verfolgten die Teilnehmer deren Arbeit mit zwei Haflingern.
Haflinger werden eher selten für die Holzbringung eingesetzt, typischer und etwas leistungsstärker sind Kaltblutpferde.
Die Vorführung mit einem Pferd zeigte, wie ein Stamm angehängt und aus dem Bestand an die Gasse vorgeliefert wird. Anschließend wechselte Wenisch die Leinen, um das zweispännige Verfahren vorzuführen. Nun zogen die Pferde zu zweit einen wesentlich schwereren Stamm zur Gasse.

Haflinger können einspännig etwa drei Festmeter pro Stunde bei maximal 60 Meter Distanz ziehen. Dabei können Stammstücke von sechs Meter Länge und bis zu 25 cm Durchmesser einspännig gezogen werden. Zweispännig leisten Haflinger etwa doppelt so viel. Die Kosten belaufen sich hier etwa auf 12 Euro pro Festmeter. Der Preis hängt stark von den örtlichen Gegebenheiten ab.

Vorteile der Arbeit mit dem Pferd

Vorliefern einspännigZoombild vorhanden

Vorliefern einspännig

Die Gründe, warum sich Waldbesitzer trotz moderner, billiger, sicherer und leistungsstarker Technik für die Pferdearbeit im Wald interessieren sollten, legte die junge Försterin anschaulich dar.
Vor allem weniger Wertverlust durch geringere Rindenverletzungen aufgrund der Wendigkeit von Pferden, die Bewirtschaftung von steilen und nassen Lagen sowie der geringere Flächenbedarf für Gassen sprechen für den Pferdeeinsatz.
Das besonders bodenpflegliche und umweltschonende Verfahren - weniger Lärm, Abgase, Kraftstoffe und Hydrauliköle - empfiehlt sich besonders in Schutzgebieten.
„Ideal ist die Kombination von Pferd und Maschine im Wald zur Überbrückung von Schlechtwetterphasen durch Schonung von Boden und Bestand“, bekräftigte Frau Kopfinger.
Wichtig ist eine nachhaltige, ordnungsgemäße Bewirtschaftung unser Wälder unter Erhaltung der Bodenfunktionen und Naturschutzflächen. Die Pferde müssen dabei tiergerecht behandelt werden.
Für die Waldarbeit mit dem Pferd gibt es verschiedene finanzielle Förderungen durch den Freistaat Bayern. Derzeit kann allerdings nur für die Saat Förderantrag gestellt werden.

Pferdearbeit im Wald soll ihre Nische behalten!

Gastreferent Reinhard RöselZoombild vorhanden

Gastreferent Reinhard Rösel

Reinhard Rösel, Geschäftsführer der WBV Illschwang-Birgland, legte kurz die aktuelle Situation in der Forstwirtschaft dar, nannte Zahlen und Fakten und beleuchtete die Vorteile der Forsttechnik.
Nach einer kurzen Diskussionsrunde konnte das Fazit gezogen werden: Pferderückung wird ein Nischenbereich in der Forstwirtschaft bleiben. Jeder Waldbesitzer kann selbst entscheiden, wie er seinen Wald bewirtschaftet. Die Pferderückung ist dabei eine sehr schonende und bewährte Methode, deren Verlust sehr bedauernswert wäre.
Der Höhepunkt für Familien mit Kindern war der Auftritt eines Shetland Ponys, das bei den Kleintierhofbesitzern auch ab und zu für kleinere Transportarbeiten im Einsatz ist.
Alle Informationen hat Frau Kopfinger in einem reich bebilderten Merkblatt zusammengefasst, das an unserem Amt im Bereich Forsten erhältlich ist.
Für Fragen darüberhinaus stehen unsere Revierleiter zur Verfügung.