Veranstaltungsnachlese
Weichenstellung im Wald

Die Teilnehmer am Jugendpflegekurs des Forstreviers Kastl

Am Montag, 29.10.2018, lud das Forstrevier Kastl zur Pflegeschulung nach Zant. Zehn interessierte Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer kamen – und blieben bis zum Ende.

Einleitend wies Förster Michael Bartl darauf hin, dass bei Pflegeeingriffen zwar kein hoher Erlös zu erwarten sei, aber dass zu keiner Zeit im Bestandesleben die Weichenstellung für die zukünftige Entwicklung so wichtig sei, wie in diesem Stadium. Was hier versäumt wird, kann später meist nur mit großem Aufwand und dann nur unvollständig nachgeholt werden.
Werkzeugschau und Ausgrasen
Los ging es mit einer kurzen Werkzeugschau. Da vom Ausgrasen über Brombeerstauden und Holler bis zu schlecht geformten Bäumen die "Härtegrade" der zu entnehmenden Pflanzen doch sehr unterschiedlich sein kann, muss auch das Werkzeug den Verhältnissen angepasst gewählt werden.
Qualität im Laubholz
Dann ging es in einen jungen, schlanken und geradwüchsigen Ahornbestand, der sich bereits bis ca. 8 – 10 Meter von Ästen gereinigt hatte und in welchem nun die Umstellung von Qualitätserziehung zur Dimensionserzielung anstand. Ein Teil war bereits gemacht, ein Teil nur markiert und der dritte Teil stand für die Teilnehmer zum Markieren bereit, so dass in jede "Teilarbeitsstufe" Einblick genommen werden konnte. Eine Vorführung von Forstwirt Herbert Mutzbauer zur Arbeitsweise mit der Motorsäge in einem solchen Bestand rundete den ersten Teil der Veranstaltung ab.
Pflege im jungen Mischbestand
Danach ging es in den angrenzenden jüngeren Mischbestand von ca. 1 Meter bis etwa 4 Meter Höhe. Dort wurde gezeigt, auf was es in dieser Phase ankommt, damit ähnlich tolle Qualitäten entstehen wie im vorherigen Bestand. Hier konnten die Teilnehmer auch die anfangs gezeigten händischen Geräte selbst ausprobieren.
Doch auch zur Entnahme der noch darüber stehenden Reste des Vorbestandes gab es etliche Fragen zu klären: Wann? Wieviel? Wie? Welche Bäume könnnte man alternativ ins Vertragsnaturschutzprogramm Wald aufnehmen?
Stabilität im Nadelholz
Zum dritten und letzten Teil, der Nadelholzpflege, wurde dann in einen Fichten-Lärchenbestand nach Oberleinsiedl umgesetzt, in welchem sich im Zaunschutz zusätzlich etliche Eichen und Buchen von selbst angesamt hatten. Während die Qualität beim Laubholz das beherrschende Thema ist, ist es im Nadelholz die Frage, wie man die Stabilität erhält bzw. wieder herstellt, damit Schnee und Sturm möglichst wenig Schaden anrichten können. Wie suche ich die Bäume aus, die gefördert werden sollen? An welchen Merkmalen erkennt man diese? Welche Nachbarn sind folglich zu entnehmen um dieses Ziel zu erreichen? Wie kann man trotzdem die eigene Arbeitsbelastung in engen Grenzen halten? Wie ist das mit Borkenkäfern nach einer Pflege in solchen Jungbeständen? Zusätzlich ist bei Lärche die Wertastung ein interessantes Thema, das hier auch bei einzeln eingestreuten Eichen eine Rolle spielen kann.
Fragen über Fragen, die aber alle von Forstwirt Herbert Mutzbauer und Förster Michael Bartl beantwortet werden konnten.
Eine lohnende Fortbildung
Die Teilnehmer waren sich am Schluss einig, dass sich dieser halbe Tag gelohnt hatte, auch wenn der ein oder andere Urlaub nehmen musste um diese kostenlose Fortbildung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten an einem Montag Vormittag besuchen zu können. Auf die Frage warum dies nicht am Wochenende angeboten würde, antwortete Forstwirt Mutzbauer ebenso entwaffnend wie nachvollziehbar: "Manna, dann hättn mir ja koa frei`s Wochenend mehr mit de ganzen, Motorsägen-, Pflanz-, Zaunbau-, Pflege-, Starkholz- und Wartungskurse, die mir bei mehreren Ämtern in der Oberpfalz halten. Und wenna schon mal nix kost, dann konn ma se a scho mal frei nehma."